Viele Menschen kommen mit einer Diagnose in die Beratung: ADHS, Depression, Angststörung oder etwas anderes. Diese Einordnungen haben ihren Platz, sie können Orientierung geben, den Zugang zu Unterstützung erleichtern und manchmal auch entlasten.

Und gleichzeitig nehmen sie in meiner Arbeit nicht die zentrale Rolle ein.

Warum?

Weil Diagnosen immer vereinfachen. Sie bündeln komplexe Erfahrungen in Kategorien. Das ist im medizinischen Kontext sinnvoll und oft notwendig. In der systemischen Arbeit gehen wir jedoch einen Schritt weiter, oder besser gesagt: einen Schritt zur Seite.

Weiterlesen: Wie wir systemisch auf Diagnosen schauen: Diagnosen aus systemischer Sicht – hilfreich, aber nicht führend

Wir schauen nicht nur auf das „Was“, sondern vor allem auf das „Wie“ und „Wodurch“.

  • In welchen Situationen zeigt sich etwas?
  • In welchen nicht?
  • Was verändert sich, wenn sich das Umfeld verändert?
  • Welche Dynamiken spielen eine Rolle?

Symptome als Teil eines größeren Zusammenhangs

Systemisch betrachtet entsteht Verhalten nie isoliert. Es ist immer eingebettet – in Beziehungen, in Lebensumstände, in biografische Erfahrungen.

Ein Symptom wird dadurch nicht „wegdiskutiert“. Aber es bekommt einen anderen Platz:
Nicht als Störung, die beseitigt werden muss, sondern als Ausdruck eines Systems, das gerade auf eine bestimmte Weise funktioniert.

Manchmal zeigt sich darin sogar ein Lösungsversuch. Etwas, das, so unpraktisch es auch wirken mag, eine Funktion erfüllt.

Warum ich Diagnosen nicht in den Mittelpunkt stelle

Wenn der Fokus zu stark auf der Diagnose liegt, passiert leicht Folgendes:

  • Der Blick verengt sich
  • Der Mensch wird mit dem Etikett verwechselt
  • Möglichkeiten geraten aus dem Blick

In der systemischen Arbeit geht es mir darum, genau das zu vermeiden. Teil 2 zeigt dir bald, was das für dich als Klient:in bedeutet.